Eine besondere Reise
von Dessel nach Hessisch Lichtenau
30. August 2025 – 8. September 2025
Nach meiner Heimat
Siebzehnmal bin ich bereits nach Hessisch Lichtenau, meinem Geburtsdorf, gefahren. Meistens allein, manchmal in einer Gruppe. Jedes Mal wählte ich eine andere Route: die kürzeste war 430 km, die längste 1000 km. Angesichts meines Alters sage ich jedes Jahr, dass es die letzte Fahrt zu meiner Heimat sein wird, aber dennoch steige ich jedes Mal wieder auf das Fahrrad. Meine Reisen brachten mich in den vergangenen Jahren nicht nur nach Hessisch Lichtenau, sondern auch in die entlegensten Winkel der Welt.
Eine besondere Reise
Diesmal war es keine Weltreise, aber dennoch eine besondere. Nach dem Lesen meines Buches ließ eine Dame wissen, dass sie mich gerne begleiten wollte. Nach einigen Testfahrten in Belgien war ich überzeugt. Und so brachen Ria und ich am Samstag, den 30. August gemeinsam auf. Der erste Tag ging in Richtung Venlo. Danach folgten der Ruhrtalradweg und die Möhnetalsperre.
Klettern geblasen
Im Sauerland begann die richtige Kletterarbeit, bis über 500 m. Brilon und Willingen sind bekannte Skigebiete, jetzt mussten wir richtig in die Pedale treten. Nach einem langen Abstieg entlang Korbach und dem Edersee-Stausee wartete noch ein Wadenbeißer auf uns vor Melsungen. Die Belohnung: ein köstliches Stück Schwarzwälder Kirschtorte auf dem Marktplatz.
Eine herzlicher Empfang
Nach fünf Tagen Radfahren erreichten wir Hessisch Lichtenau, wo wir im Rathaus herzlich empfangen wurden. Nächstes Jahr feiern Hessisch Lichtenau und Dessel ihre 55-jährige Verschwisterung, wozu auch Vereine aus Dessel eingeladen sind. Die Fanfaren von Dessel treten dann in Hessisch Lichtenau und Melsungen auf. Nach dem Empfang genossen wir von einem wohlverdienten Ruhetag, der mit einem Schnitzel in einem Dorfgasthaus endete.
Zurück entlang des Lahnradwegs
Der Rückweg verlief über den Fulda-Radweg nach Bad Hersfeld, durch den Vogelsberg, mit Gipfeln über 600 m. Dort zeigte Ria ihre Kraft: Mit einem normalen Fahrrad mit wenigen Gängen stieg sie flott auf und fuhr mit 55 km/h bergab – immer gut gelaunt. Von Gießen folgten wir dem Lahnradweg bis Koblenz, wo er in den Rhein mündet. Ein Stück bis Köln nahmen wir den Zug, dann weiter bis Sittard und schließlich zurück nach Dessel.
900 km aus eigener Kraft
Insgesamt fuhren wir 898 km an neun Fahrradtagen – ich fuhr in Dessel noch 2 zusätzliche Kilometer, um auf 900 km zu kommen. Alles mit einem normalen Fahrrad, ohne E-Bike. Mit 20 kg Gepäck auf dem Gepäckträger. Oft wurden wir gefragt, warum wir kein E-Bike hätten. Meine Antwort: "Ich bin noch viel zu jung." Als ich dann mein Alter nannte, wurde ich unglaublich und mit viel Bewunderung besehen.
Freundliche Menschen unterwegs
Unterwegs bekamen wir oft Hilfe. Radfahrer fuhren ein Stück mit, um den Weg zu zeigen, Autofahrer boten spontan ihre Hilfe an. Das Wetter war prima, die Landschaften herrlich und die Routen meist ausgezeichnet. Die Fahrräder hielten perfekt durch: Wir hatten keine technischen Probleme, dank der Pflege von Fahrradmechaniker Luc Smets in Dessel.
Nicht alles verlief problemlos
Die Züge in Deutschland waren überfüllt, sodass wir am nächsten Bahnhof aussteigen und mit den Fahrrädern steile Treppen rauf und runter mussten. Ohne Hilfe unmöglich. Auch die Maas-Fähre fuhr nicht, was uns einen großen Umweg bescherte. Und in einer Jugendherberge fiel ein kaputter Kipptor auf meinen Kopf – meine Mütze und mein Gesicht waren mit Blut besudelt, eine Wunde habe ich als Erinnerung mitgenommen.
Dank und Rückblick
Letztendlich bleibt vor allem das Positive hängen. Dank an die vielen freundlichen Menschen unterwegs, und insbesondere an Ria – für ihre gute Laune, ihr Optimismus und ihre beeindruckende Leistung. Vielleicht war dies meine letzte Radfahrt zu meiner Heimat, vielleicht aber auch nicht. Auf jeden Fall wurde es eine Fahrt, die wir nie vergessen werden.
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